Zusätzliche Behandlungsmaßnahmen

Durch die Anwendung von Akupunktur ggf. in Verbindung mit Hypnose oder Entspannungsverfahren können bei mittels dieser Methoden ansprechbaren Frauen eindrucksvolle Verbesserungen der hormonellen Regulation, Reaktion der Eierstöcke, Durchblutung der Gebärmutter, Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, immunologischen Reaktion, Einnistungsrate und bei Endometrioseerkrankung erzielt werden.

In den letzten Jahren wurden immer wieder auch andere zusätzliche Maßnahmen im Rahmen der extrakorporalen Befruchtung angeboten. Exemplarisch sollen hier einige dieser Verfahren genannt werden:

  • strenge Bettruhe nach Embryotransfer, um den Einnistungsvorgang zu unterstützen
  • Anritzen der Embryohülle, um den Einnistungsvorgang zu unterstützen (assisted hatching)
  • dopplersonographische Durchblutungsmessungen der Gebärmuttergefäße, um den günstigsten Ablageort des Embryo in der Gebärmutterhöhle zu bestimmen
  • Injektion von ß-HCG oder GnRH einmal oder wiederholt wenige Tage nach dem Embryotransfer, um die Einnistung des Embryo zu begünstigen
  • Anwendung von Embryoglue, in der Hoffnung durch Hyaluronsäure die Haftung des Embryo auf der Schleimhautoberfläche und den Einnistungsvorgang zu unterstützen
  • Behandlung mit dem Androgen DHEA zur Steigerung der Eizellanzahl im Rahmen der ovariellen Stimulation
  • Intrazytoplasmatische Injektion morphologisch selektierter Spermien (IMSI) im Rahmen der extrakorporalen Befruchtung, bei der analog dem Vorgehen bei ICSI die zur Auswahl stehenden Spermien digital vergrößert, nach morpholgischen Kriterien beurteilt und selektiv ins Zytoplasma der Eizellen injiziert werden (während dies bei der ICSI aus Mangel an Spermien notwendig ist)

Für alle diese Maßnahmen fehlt bislang der evidenzbasierte Nachweis, dass hierdurch eine signifikant höhere Geburtenrate im Rahmen der Behandlungen resultiert. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass das eine oder andere Verfahren im Einzelfall einen zusätzlichen Nutzen hat.

Da beim Einnistungsvorgang zahlreiche aktivierende und hemmende Zellmediatoren eine Rolle spielen, von denen viele noch ungenügend erforscht sind und die Integrität der inneren Köperoberfläche in Form der Schleimhaut kontrolliert aufgegeben werden muss, um die Einnistung zuzulassen, kann sich eine inadäquate Regulation des Blutgerinnungssystems ebenso wie des Immunsystems negativ auf die Einnistung und weitere Entwicklung des Embryos auswirken.

Eine genetisch angelegte durch Erkrankung erworbene Thromboseneigung kann mit Injektionen niedermolekularer Heparine und der Gabe von Thrombozytenaggregationhemmern wie ASS behandelt werden.

Für immunologische Fehlfunktionen konnte keine allgemeine Behandlungsevidenz nachgewiesen werden, obwohl dies in zahlreichen Studien versucht wurde. Jedoch gibt es unter Berücksichtigung der Studienlage besondere Konstellationen, die im Einzelfall bestimmte hochspezifische Behandlungsmaßnahmen berechtigt erscheinen lassen. Zuvor sollte allerdings – und zwar nur bei tatsächlich wiederholt unerwartetem Ausbleiben der Einnistung oder mehrfachen Fehlgeburten, ohne dass dem Paar bereits ein Kind geboren wurde - eine gezielte Diagnostik an spezialisierten (meist universitären) immunologischen Einrichtungen erfolgen.