Die Wissenschaft befasst sich erst seit ungefähr 150 Jahren mit einer Erforschung und Behandlung psychischer Erkrankungen. In früheren Zeiten wurden die zugrundeliegenden Hirnstoffwechselstörungen meist als Besessenheit durch Dämonen religiös fehlinterpretiert. Die Betroffenen wurden nicht selten aus der Gesellschaft ausgestoßen oder getötet.

Das erste differenzierte beobachtungsbasierte Theoriesystem zur Erklärung der Entstehung psychischer Erkrankungen lieferte Sigmund Freud. Die Psychoanalyse nach Freud sieht die Erklärung für psychische Erkrankungen in schwerwiegenden Traumatisierungen und fehlender Befriedigung essentieller Bedürfnisse in der Kindheit. Entsprechend ist die Behandlung auf das Bewusstwerden und die Auflösung bisher unbewusster und abgewehrter Konflikte ausgerichtet, was den oft mehrjährigen Behandlungsaufwand erklärt.

Verhaltenstherapie (VT) geht auf die empirische Verhaltensforschung der Mitte des 20. Jahrhunderts zurück. Es wurde festgestellt, dass menschliches Verhalten lebenslang plastisch ist und zu großen Teilen erlernt wird. Psychische Störungen und daraus resultierende körperliche Beschwerden werden dabei als Ergebnis von dysfunktionalem Denken und Verhalten verstanden, welches in einem gestörten emotionalen Empfinden resultiert. Das Ziel ist hauptsächlich die Ausbildung und Förderung von Fähigkeiten, die eine bessere Selbstregulation ermöglichen.

Sowohl für Psychoanalyse als auch Verhaltenstherapie ist die Wirksamkeit bei der Behandlung psychischer Störungen wissenschaftlich belegt. Als Richtlinienverfahren sind sie Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung.