Kosten

Fast jedes zehnte Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos und auf medizinische Unterstützung angewiesen. Die hohen Kosten für wiederholte reproduktionsmedizinische Behandlungen können von vielen Paaren jedoch nicht aufgebracht werden.

Die Kosten einer Kinderwunschbehandlung sind von mehreren Faktoren abhängig. Sie setzten sich zusammen aus den Kosten für die benötigten Medikamente und denen, für die in Anspruch genommenen ärztlichen Leistungen. Beide sind sehr unterschiedlich, je nach Art der Fertilitätseinschränkung, die die Kinderlosigkeit verursacht und der zur Überwindung derselben notwendigen Behandlungsmaßnahmen. Hinzu kommen die Kosten für in Anspruch genommene Wahlleistungen.

Ungefähre Abschätzung

Zur ungefähren Abschätzung der Kosten lässt sich für eine Behandlung in Deutschland folgende Angabe machen:

  • Intrauterine Insemination ohne hormonelle Stimulation 100-200 €
  • Insemination mit Stimulation durch Gabe von Hormonen 1000-1500 €
  • In Vitro Fertilisation 3000-4500 €
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion 3500-7000 €

Während die Kosten für ärztliche Leistungen relativ vorhersehbar sind, können die Kosten für die medikamentöse Behandlung von Fall zu Fall stark abweichen. Sie sind insbesondere abhängig vom Alter der Frau und vom Körpergewicht, da sie mit der Eizellreserve und der Ansprechbarkeit der Eierstöcke für die hormonelle Stimulation korrelieren. Die ärztlichen Leistungen verursachen in der Regel weniger als die Hälfte der Gesamtkosten.

Zu bemerken ist, dass die Kosten für Kinderwunschbehandlungen in Deutschland im internationalen Vergleich nur im „Mittelfeld“ liegen und besonders in den USA ein Mehrfaches betragen können.

Bis zum Inkrafttreten des Gesundheitsmodernisierungsgesetztes zum 01.01.2004 wurden die Verfahren der assistierten Reproduktion in der Regel in vollem Umfang von den gesetzlichen Krankenkassen getragen.

Gesetzliche Krankenversicherung

Die notwendige medizinische Diagnostik bleibt Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Das wurde mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz von der Bundesregierung zum 01.01.2004 neu geregelt.

Wenn die Rahmenbedingungen erfüllt sind, besteht für gesetzlich versicherte Ehepaare Anspruch gegenüber ihrer gesetzlichen Krankenversicherung auf Kostenbeteiligung an bis zu acht Behandlungszyklen mittels intrauteriner Insemination, bzw. bis zu drei Behandlungszyklen mittels Insemination mit hormoneller Stimulation, IVF oder ICSI (je nach medizinischer Indikation) auf Antrag in Höhe der Hälfte der im Einheitlichen Bewertungsmaßstab definierten Kostenpauschale für diese Behandlungen.

Zu den Anspruchsvoraussetzungen zählen:

  • Verheirateter Familienstand
  • Alter: beider Partner nicht unter 25 Jahren, Frau unter 40 Jahre, Mann unter 50 Jahre
  • Positiver Antikörperstatus gegen Röteln
  • Keine Infektion mit HIV oder Hepatitis B

Nach einer Fehlgeburt besteht einmal weiterer Anspruch auf Kostenbeteiligung. Die Geburt eines Kindes löst erneut vollen Anspruch aus.

Für Zusatzmaßnahmen, eine eventuell gewünschte Kryokonservierung und die nachfolgende Behandlung mit kryokonservierten Keimzellen, für Behandlungen nach einer vorangegangenen Sterilisation, die nicht aus medizinischen Gründen erfolgte, bei Behandlungen außerhalb der vorgeschriebenen Altersgrenzen oder bei zusätzlichen Behandlungszyklen müssen die Kosten selbst getragen werden.

Private Krankenversicherung

Private Krankenversicherungen bezahlen in der Regel die vollen Kosten für die gesamte Kinderwunschbehandlung (ohne Beschränkung der Anzahl von Behandlungszyklen), sofern dies im Vertrag nicht ausgeschlossen wurde.

Bei der privaten Krankenversicherung gilt allerdings das Verursacherprinzip, d.h. es werden nur die Kosten erstattet, die durch die Erkrankung des jeweils privat versicherten Ehepartners entstehen, was sich insbesondere bei getrennt Versicherten auswirkt. Es empfiehlt sich in jedem Fall, die individuellen Verträge einzusehen.

Nach Inkrafttreten des Gesundheitsmoderniserungsgesetzes sank die jährliche Geburtenrate aus reproduktionsmedizinschen Behandlungen in Deutschland auf die Hälfte ab. Darauf hat die Bundesregierung mittlerweile reagiert. In einer seit 01.04.2012 geltenden Richtlinie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wurden Bedingungen für zusätzliche Finanzhilfen ab 01.01.2013 für ungewollt kinderlose Paare festgelegt, wenn sie sich für eine künstliche Befruchtung entscheiden.

Hierfür stellt der Bund jährlich bis zu zehn Millionen Euro zur Verfügung. Die Förderung ist an bestimmte Bedingungen geknüpft und variiert in jedem Bundesland. Die Bundesförderung setzt voraus, dass sich die Länder mit einem eigenen Anteil in mindestens der gleichen Höhe wie der Bund beteiligen.

Nach Inkrafttreten des Gesundheitsmoderniserungsgesetzes sank die jährliche Geburtenrate aus reproduktionsmedizinschen Behandlungen in Deutschland auf die Hälfte ab. Darauf hat die Bundesregierung mittlerweile reagiert. In einer seit 01.04.2012 geltenden Richtlinie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wurden Bedingungen für zusätzliche Finanzhilfen ab 01.01.2013 für ungewollt kinderlose Paare festgelegt, wenn sie sich für eine künstliche Befruchtung entscheiden.

Hierfür stellt der Bund jährlich bis zu zehn Millionen Euro zur Verfügung. Die Förderung ist an bestimmte Bedingungen geknüpft und variiert in jedem Bundesland. Die Bundesförderung setzt voraus, dass sich die Länder mit einem eigenen Anteil in mindestens der gleichen Höhe wie der Bund beteiligen.

Grundsätzlich können Ehepaare eine finanzielle Unterstützung erhalten, wenn:
  • sie im Bundesgebiet ihren Hauptwohnsitz haben
  • dort eine Reproduktionseinrichtung nutzen, die Bedingungen des § 27a SGB V erfüllen
  • die Unfruchtbarkeit ärztlich festgestellt wurde
  • die Erfolgsaussicht der Kinderwunschbehandlung attestiert wird
  • ausschließlich Ei- und Samenzellen der Ehepartner verwendet werden
  • vorher eine medizinische und psychosoziale Beratung erfolgte
  • das Alter der Frau zwischen 25 und 40 Jahren liegt
  • das Alter des Mannes zwischen 25 und 50 Jahren liegt

Liegen diese Voraussetzungen vor, fördert der Bund grundsätzlich durchgeführte IVF- und ICSI-Behandlungen im ersten bis vierten Behandlungszyklus. Der Zuschuss erfolgt in Höhe von bis zu 25 Prozent des den Paaren nach Abrechnung mit der Krankenversicherung verbleibenden Eigenanteils. Die genaue Höhe des Bundeszuschusses richtet sich nach den Bedingungen der jeweiligen Landesförderung.

In jedem Land gelten eigene Voraussetzungen für eine finanzielle Unterstützung bei Kinderwunschbehandlungen

Auch Art und Höhe der Zuwendungen sind individuell festgelegt. Bisher beteiligen sich die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen an der Förderung. Der Freistaat Sachsen zum Beispiel gewährt Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch seit 2009 Zuschüsse. Sachsen fördert den zweiten, dritten und vierten Behandlungszyklus in Form von Festbeträgen, sofern das Paar verheiratet ist und seit mindestens einem Jahr seinen Hauptwohnsitz in Sachsen hat. Zudem muss die Behandlung in einem sächsischen Reproduktionszentrum durchgeführt werden. Die Voraussetzungen des § 27a SGB V müssen ebenfalls erfüllt sein. Erstattet werden in diesen Fällen für die zweite und dritte

  • IVF-Behandlung bis zu 800 Euro des Eigenanteils und
  • ICSI-Behandlung bis zu 900 Euro des Eigenanteils

Für den vierten Behandlungszyklus werden

  • bei der IVF-Behandlung bis zu 1.600 Euro des Eigenanteils und
  • bei der ISCI-Behandlung bis zu 1.800 Euro des Eigenanteils erstattet

Ob und wie sich Krankenkassen an einer Kinderwunschbehandlung beteiligen, ist für die gesetzlichen Krankenkassen in § 27a SGB V geregelt. Darüber hinaus haben die gesetzlichen Krankenkassen seit 01.01.2012 mit Inkrafttreten des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes die Möglichkeit, reproduktionsmedizinische Maßnahmen als zusätzliche Satzungsleistungen anzubieten.

aktuelle Entwicklungen

Immer mehr Krankenkassen erweitern seither ihren Leistungskatalog im Bereich der Kinderwunschbehandlungen über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus, z.B. durch eine Erhöhung der Kostenzuschüsse, eine Ausweitung der Anspruchsberechtigten oder eine Finanzierung von mehr als drei Versuchen.

So übernimmt die Berliner Betriebskrankenkasse VBU beispielsweise die Kosten der Kinderwunschbehandlung in Höhe von 75% statt der üblichen 50%. Zudem haben auch Paare bereits ab dem 20. Lebensjahr Anspruch auf den erweiterten Kostenzuschuss. Die VBU bietet an, Kinderwunschbehandlungen künftig nun auch bei unverheirateten Paaren zu erstatten.

In jedem Fall möchte ich Ihnen empfehlen, sich angesichts der so erweiterten Fördermöglichkeiten ausführlich bei Ihrer Krankenversicherung über deren Leistungsumfang zu informieren und sich dies schriftlich bestätigen zu lassen.

Darüber hinaus biete ich Ihnen im Rahmen meiner psychotherapeutischen Qualifikation und meiner Mitgliedschaft in BKiD e.V. (Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland) medizinische und psychosoziale Beratung an. Für diese Beratung stelle ich Ihnen 30Euro pro angefangene Viertelstunde in Rechnung. Wenn Sie Beratungsbedarf oder Fragen haben, sprechen Sie mich bitte an.