Blutgruppeneigenschaften und Rhesusfaktor

Bei menschlichen Feten werden genetisch determiniert ab dem dritten Entwicklungsmonat drei Arten von Rezeptorglykoproteinen auf der Zellmembrane sämtlicher Körperzellen in zunehmender Konzentration präsentiert, die man als Blutgruppenantigene kennt und die mit den Buchstaben A und B und als Rhesusfaktor bezeichnet werden. Jedes dieser Antigene kann vorhanden sein oder fehlen. Entsprechen definiert man die Blutgruppen A, B, AB und 0 jeweils mit den Eigenschaften Rhesus positiv oder Rhesus negativ.

In der Schwangerschaft und unter der Geburt kommt es in gewissem Umfang zu einem Austausch von Blutzellen zwischen Mutter und Kind. Fehlt der Mutter ein Antigen, das beim Kind durch den väterlichen Anteil des Erbguts ausgebildet wird, kann dies zu einer Bildung irregulärer Antikörper durch das mütterliche Immunsystem führen, wobei das Rhesusantigen am stärksten die Antikörperbildung bei Rhesusnegativen anregt. Da diese Antikörper durch die Plazentaschranke passieren, können sie die Antigene der Oberfläche der roten Blutkörperchen im kindlichen Kreislauf besetzten und so den Reiz zur Zerstörung dieser roten Blutkörperchen in der kindlichen Milz und Leber darstellen.

Das kindliche blutbildende Knochenmark reagiert mit einer massiven Ausschüttung unreifer roter Blutkörperchen (Erythroblasten). Dennoch entwickelt das Kind eine zunehmende Anämie, die Sauerstoffversorgung sinkt und der Stoffwechsel von Milz und Leber wird überlastet, erkennbar an Herzinsuffizienz, ödematöser Schwellung von Milz, Leber und schließlich des ganzen Körpers und Wachstumsretardierung. Das resultierende Krankheitsbild (Erythroblastose) verläuft unbehandelt tödlich.

Die Immunisierung der Rhesus negativen Mutter findet meist unter der Geburt eines Rhesus positiven Kindes statt, kann aber auch durch Fehlgeburten, Schwangerschaftsunterbrechungen und invasive diagnostische oder therapeutische Eingriffe (Chorionzottenbiopsie, Amniozentese, Cordozentese,…) erfolgen. Deshalb ist es zwingend erforderlich, bei Rhesus negativen Müttern bei jeder Blutung in der Schwangerschaft, Eingriffen an der Gebärmutter, in der 28. Schwangerschaftswoche und nach erfolgter Geburt Rhesusantikörper zu spritzen, um eventuell in den mütterlichen Blutkreislauf eingeschleppte kindliche Zellen abzufangen und so eine eigene Bildung von Rhesusantikörpern durch die mütterlichen immunkompetenten Plasmazellen zu verhindern.

Bitte achten Sie als Rhesus negative Schwangere in ihrem eigenen Interesse darauf, dass diese Maßnahme niemals unterbleibt.